"Großer Steinbruch in Oberbayern" von Max Beckmann, 1934

Schlossmuseum Murnau

Beckmanns Gemälde zeigt den Steinbruch am „Langen Köchel“ – eine bewaldete Felskuppe im Murnauer Moos – und den Blick über die ehemaligen Industrieanlagen des Hartsteinwerks Werdenfels. Es entstand 1934 in einer Zeit, in der er sich deutlich mit den ihn und seine Arbeit bedrohenden politischen Auswirkungen auseinandersetzte und die damit zu den wichtigen Lebens- und Schaffensphasen Beckmanns zählt.

Mit der Gegend vertraut gemacht hatte ihn seine zweite Frau Mathilde von Kaulbach. Beckmann hatte die Tochter des Münchner Malerfürsten Friedrich August von Kaulbach 1924 kennengelernt und ein Jahr später geheiratet. Das Ohlstädter Landhaus der Kaulbach-Familie, in dem Beckmann zudem das ehemalige Atelier des Schwiegervaters nutzen konnte, suchten sie regelmäßig auf.

Der abgeschiedene Ort am Alpenrand wurde für beide zwischen 1933 und 1935 immer wichtiger. 1933 war Beckmann durch die Nationalsozialisten aus seiner Lehrtätigkeit an der Städelschule in Frankfurt entlassen worden und im selben Jahr war das Paar von Frankfurt nach Berlin gezogen. In den Folgejahren schuf Beckmann in Ohlstadt eine Reihe von Bildern mit Motiven der Gegend. Zur selben Zeit entstand auch Das Moor (Moosberg), eine Ansicht des zweiten Steinbruchs im Murnauer Moos.

Die fortschreitende, massive Bedrohung seiner künstlerischen Existenz findet in diesem Werk eine metaphorische Entsprechung. Der dramatisch aufgeladene Gewitterhimmel und die im Bildmittelgrund markant aufklaffende Wunde, die der Gesteinsabbau in die Landschaft geschlagen hat, rufen deutliches Unbehagen hervor. Kraftvolle Ocker-, Violett- und Blautöne sowie tiefschwarze Schattenflächen verstärken die spannungsvolle Atmosphäre.

Ins große Format gesetzt, kann die markant zerklüftete Gesteinslandschaft mit den Gebäuden des Hartsteinwerks, die das Gestein für den in der NS-Zeit vorangetriebenen Schienen- und Autobahnbau produzierten, als sehr persönliches Sinnbild seiner damaligen Lebensumstände gelesen werden.

 

Dr. Sandra Uhrig

Abbildung: Max Beckmann, Großer Steinbruch in Overbayern, 1934, Öl auf Leinwand, 86,5 cm x 119 cm, Schlossmuseum Murnau.

© Courtesy: Dreweatts, Newbury.