Drei Werke von Nam June Paik für das ZKM
Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe
Nam June Paik, Pionier der Medienkunst, zeigt in drei für das ZKM erworbenen Werken seine visionäre Auseinandersetzung mit Technik, Wahrnehmung und Spiritualität.
Auf der Hülle eines Sony-Videobands notierte er: „A painting which exists only 2x1 seconds in a hour“. Der Satz spielt auf die Funktionsweise des Videobildes an, das aus Halbbildern besteht, die nur Bruchteile einer Sekunde sichtbar sind. Die Hülle verweist zugleich auf einen Schlüsselmoment: Paiks Aufnahme des Papstbesuchs in New York 1965 gilt als erste künstlerische Nutzung von Video. Die Hülle, die Paik auf dieses Datum datierte, bleibt als symbolisches Zeugnis dieser Geburtsstunde der Videokunst und seiner programmatischen Vision: „Wie die Collagetechnik die Ölfarbe ersetzte, wird die Kathodenstrahlröhre die Leinwand ersetzen.“
Ein weiteres Werk zeigt Paiks frühe Verbindung von Massenmedien und Spiritualität: Auf einem farbigen Schulwandbild des Kölner Doms zeichnete er zahlreiche kleine Fernseher mit lachenden, weinenden oder starren Gesichtern. Es handelt sich um einen Entwurf für eine großformatige Videoinstallation, die den Dom als „Medienkathedrale“ interpretiert. Wo Kirchenfenster das Göttliche erfahrbar machten, erzeugen flackernde Bildschirme eine neue, profane Liturgie – ein Kommentar zur Rolle technischer Medien für Gemeinschaft und Transzendenz.
Das dritte Werk, Mein Kölner Dom (1980), kombiniert Aquarium, Miniaturdome und ein Video. Zwischen Goldfischen flimmern Tänzerinnen, Sportlerinnen und Sequenzen des Dichters Allen Ginsberg. Paik verweist hier auf kontemplative Praxis ostasiatischer Kulturen vor der Verbreitung des Fernsehens und auf das Spannungsverhältnis von Spiritualität und Massenmedien. Die Miniatur-Dome können als Symbole der Kommerzialisierung des Sakralen gelesen werden, während das Video ein rauschhaftes Panorama von Pop- und Massenkultur entfaltet, das durch Ginsbergs Meditation gebrochen wird – Spiritualität unter den Bedingungen elektronischer Medien.
Margit Rosen
Abb. 1: A Painting Which Exists 2x1 Seconds In a Hour, 1965, Kunststoffhülle eines Sony Open Reel Videobands, Papieretiketten, beschriftet,, 19 x 20,5 cm x 2,5 cm.
Abb. 2: Mein Kölner Dom, 1980, 1-Kanal-Video- und Mixed-Media-Installation; Bestandteile teilweise variabel.
Abb. 3: Kölner Dom als Video-Skulptur, 1985, rollbare Schulkarte (Lithographie), montiert an zwei Rundhölzern, Wachskreide, 67 cm x 85 cm. Mein Kölner Dom, 1980, 1-Kanal-Video- und Mixed-Media-Installation; Bestandteile teilweise variabel.
© ZKM , Franz Wamhof
.jpg)
.jpg)
.jpg)